Treffen mit dem Hungrigen von Caracas

Von Carlos Garcia Rawlins

Reuters – Abril 29, 2014

Seit einem Jahr oder so, haben wir, Fotografen, die Wirtschaftskrise in Venezuela mit Fotos von leeren Regalen und Warteschlangen außerhalb der Supermärkte, veranschaulicht. Aber jetzt wollte ich etwas anderes machen.

Auf der Suche nach einer intimeren Perspektive der Geschichte, habe ich über ein Ernährungszentrum in Caracas, der sich um Obdachlose seit 14 Jahren kümmert, gehört. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob ich den Ort finden würde. Die einzige Richtung, die ich hatte, war: “Es ist in der San Martín, unter einer Brücke neben einigen Reifen.”

Aber obwohl, niemand am Telefon war,der mir helfen konnte den genauen Standort des Zentrums zu finden, als ich in der Gegend einen starken Geruch von Gemüsesuppe hinter einer geschlossenen Tür roch, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Sicher genug, da war es: Das Essenszentrum Mutter Teresa von Kalkutta.

A man grabs a bowl of soup at the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

In einer Seitenstraße zerzaust in der Innenstadt von Caracas, unter einer Brücke, beherbergt das Zentrum eine Reihe von langen Tischen und Betonbänken . Es hat indigo-blaue Wänden markiert vor den Fluten, die während der Regenzeit regelmäßig auftreten, mit nur ein paar Glühbirnen, um die schwache Strömung des Fenster Lichts zu ergänzen. Willy, die ansässige Katze, hilft den Boden sauber zu halten von Abfällen.

Everson Rodriguez, 22, eats lunch at the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

Die venezolanische Version von Mutter Teresa im Zentrum ist Fernanda, eine warme und lächelnd Frau, die seit über einem Jahrzehn sorgfältig die Suppe in einem riesigen Topf vorbereitet. Wenn jemand eine besondere Spende macht oder das Budget weit genug reicht, bietet sie ein Fleischgericht. Das Essen ist immer kostenlos, und keine Fragen werden an die Menschen, die zu ihr kommen um es zu essen, gestellt.

Fernanda Bolivar, 54, cleans a table after have been served lunch at the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

Wie immer bei dieser Art von Projekten ist der interessanteste Teil die beteiligten Personen kennenzulernen. Zeit mit den etwa 50  Menschen, die jeden Tag die Suppenküche füllen, zu teilen, war eine ganz besondere Erfahrung und alle mit denen ich sprach, hatten erstaunliche Geschichten.

Luis Mendoza, 58, poses for a picture at the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

Ich wollte Porträts von jedem, den ich traf, machen, aber am Anfang waren nicht viele bereit sich fotografieren zu lassen oder mit mir über ihre persönlichen Umstände zu plaudern. Aber als die ersten einverstanden waren, brachte ich ihnen eine am nächsten Tag eine Kopie ihrer Foto, und es war unglaublich zu sehen, wie sie über ihre eigenen Bilder lachten. Sie waren so dankbar, als ich ihnen sagte, dass diese Bilder Geschenke waren.

Einer von ihnen hatte sogar Tränen in den Augen, als er mir sagte, dass er sich für viele Jahre nicht gesehen hatte. Danach wollten sie alle Bilder und  verglichen eifrig, wer die Fotos schon erhalten hatte und wer nicht.

Marisol Gil, poses for a picture at the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

Fernandas Geschichte ist auch bemerkenswert. Lehnend an ihrer Küche, erzählte sie mir, dass sie einmal so hungrig gewesen war, dass sie an der Tür eines Priesters klopfte und um Hilfe bat. Er gab ihr Essen und – noch wichtiger – einen Job in der Suppenküche. Sie hat seitdem arbeitet.

Fernanda Bolivar, 54, buys greens at a street vendor close to the Mother Teresa of Calcutta eating center in Caracas

Ihre größtes Problem in diesen Tagen, ist die Zutaten sie braucht, zu finden. Ich stand mit ihr vor dem Supermarkt in den Warteschlangen, die sich in den frühen Morgenstunden bilden. Hunderte von Menschen warten stundenlang in diesen Schlangen, bevor der Laden öffnet, einige starten vor dem Morgengrauen um das zu kaufen, was es an dem Tag gibt. Oft, sind Grundlagen wie Reis oder Linsen nicht verfügbar, und Fernanda am nächsten Tag wieder hingehen und wieder in der Warteschlange stehen.

 

Quelle: García Rawlins, Carlos.”Meeting the hungry of Caracas”. Reuters. April. 29 2014. Thomson Reuters

http://blogs.reuters.com/photographers-blog/2014/04/29/meeting-the-hungry-of-caracas

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