ZEIT, BILANZ ZU ZIEHEN

Von Paula Vazquez

TalCualDigital.com April, 21 2014

Es dürfte sehr interessant sein, wie die bedingungslosen Fürsprecher des Chavismus an den Universitäten Nordamerikas und Europas erklären wollen, dass wir es mittlerweile mit der massiven Verarmung einer Gesellschaft zu tun haben, wo doch angeblich die sozialen Ungerechtigkeiten reduziert worden sind.

Zeit, Bilanz zu ziehen: Vor allem Jahrestage eignen sich dafür, die Entwicklung von Indikatoren zu verfolgen, Vergleiche zu ziehen und die Vorher-Nachher Bilder gegenüber zu stellen. Der Vergleich der Situation vor und nach Maduros Triumph ist erschreckend.

Präsident Maduro selbst muss sich dessen bewusst sein und den Zeitpunkt verwünschen, als er dazu bestimmt wurde, nicht mehr und nicht weniger als derjenige zu sein, der das Ende des Chavismus verkörpern, der für das Scheitern dieses revolutionären Modells stehen und den Niedergang dieses in der Praxis nicht aufrechtzuerhaltenden Staats- und Gesellschaftskonzepts versinnbildlichen würde. Hilfestellung bei dieser Bestandsaufnahme leistet mir ein hervorragendes Dokument, verfasst von Luis Pedro España: „Der Ölsozialismus: Umstände und soziale politik eines fehlgeschlagenen Entwicklungsmodells“ (El soicalismo petrolero: Situación y políticas sociales bajo un fallido modelo de desarrollo), herausgegeben von ILDIS und der Friedrich Ebert Stiftung in Caracas im Oktober 2013. Auf nur 15 Seiten belegt España, dass  das, was die venezolanische Regierung der internationalen Presse stets als Reduzierung der gesellschaftlichen Ungleichheit präsentierte, nichts Weiteres als eine Konsumblase ist.

Zwischen 2004 und 2008, ein wichtiges Stadium des sogenannten Ölsozialismus, gab es keinerlei strukturellen Reformen, um sicherzustellen, dass diejenigen, die dank des direkten Transfers finanzieller Ressourcen von Armut befreit wurden, auch in den nächsten Jahren nicht von Armut bedroht sein würden. Der Anstieg des direkten Konsums in diesen Jahren geht über einen bloßen Klientelismus hinaus. Die Leute hatten nicht nur einen sicheren Platz auf der Liste einer „Mission“ (was dazu berechtigt bestimmte Leistungen und/oder Produkte zu erhalten) sondern auch Zugang zu Geld, womit jeder einfach alles kaufte. Wie wenig geeignet und ineffizient diese „Missionen“ zur strukturellen Bekämpfung von Armut allerdings waren, ist heute mehr als offensichtlich.

Die Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse und die Verkleinerung eines Arbeitsmarktes, auf dem junge Menschen Arbeit finden und ihren Lebensunterhalt verdienen könnten, verdammen die Bevölkerung Venezuelas von denen abhängig zu sein, die darüber entscheiden, wer in den Genuss von staatlichen Hilfsleistungen kommt und wer nicht. Dies wurde bereits unzählige Male festgestellt. Ich habe  die Art durchleuchtet, wie sich die Regierung die „positiven“ Emotionen, welche durch „Wohltätigkeitsarbeit“ für Arme ausgelöst werden, zu eigen gemacht hat, um anschließend ihren Autoritarismus zu rechtfertigen, Institutionen abzuschaffen und somit die ganze Macht an sich zu reißen.

Es dürfte sehr interessant sein, wie die bedingungslosen Fürsprecher des Chavismus an den Universitäten Nordamerikas und Europas erklären wollen, dass wir es mittlerweile mit der massiven Verarmung einer Gesellschaft zu tun haben, wo doch angeblich die sozialen Ungerechtigkeiten reduziert worden sind. In den letzten 20 Jahren verarmte keine andere lateinamerikanischen Gesellschaft in einem solchen Ausmaß, wie es die Venezolanische Bevölkerung in den letzten Wochen erleben musst.

Wie kann es sein, dass sich das allseits propagierte Ende der Armut plötzlich in Luft aufgelöst hat und auf einmal jeder arm ist – abgesehen von den gut positionierten Funktionären? Von Oktober bis heute, Herr Maduro, ging dem Modell des Chavismus die Puste aus. Nichts geht mehr, das Spiel ist aus. Wir haben uns von einem „Modell der sozialen Gerechtigkeit“ hin zu einem sehr armen, gewalttätigen und chaotischen Land gewandelt, in das nicht einmal mehr die Journalisten, die den Chavismus unterstützen,  reisen können, weil sie sich die Flugtickets dafür nicht leisten können.

Quelle: Vazquez, Paula.”Hora de balance”. TalCualDigital.com. April. 21 2014. Editorial La Mosca Analfabeta C.A. April. 21 2014.

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Hauptfoto: AP Photo / Ariana Cubillos

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